Projekt des Monats Mai 2012

Eine Solaranlage auf dem Kirchendach, Ökostrom im Gemeindehaus – nur im ersten Moment mag das verwundern, bei näherem Hinsehen ist es eine logische Konsequenz. Themen wie Klimaschutz, Ressourcenschonung, Energiesparen spielen auch im Gemeindealltag eine wichtige Rolle – aus zwei Gründen: Zum einen ist es der theologische Hintergrund, die Bewahrung der Schöpfung ist den Gemeinden ein wichtiges Anliegen. Zum anderen erfordert auch der Kostendruck ein Umdenken. Für den Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein spielen beide Aspekte eine Rolle. „Das beginnt damit, dass einige Gemeinden fair gehandelten Kaffee verwenden, dass wir gezielt prüfen, wo sich Energie sparen lässt und es endet damit, dass mittlerweile elf von 16 Gemeinden unseres Kirchenkreises Ökostrom beziehen und eine Gemeinde sogar eine Photovoltaikanlage betreibt“, erklärt Silke Grübener vom Bau- und Liegenschaftsamt der Kirchenkreisverwaltung.

Schon seit Jahren steht sie in engem Kontakt zur EnergieAgentur.NRW. „Es ist immer hilfreich, wenn Experten von außen eine Idee oder ein Projekt bewerten und ihre Einschätzung an die Gemeinde weitergeben“, sagt Grübener. Der Anstoß, von normalem Strom auf Ökostrom umzustellen, kam aus den Gemeinden selbst. Grübener griff den Gedanken auf, forderte von vier großen zertifizierten Ökostrom-Anbietern Angebote für den gesamten Kirchenkreis mit rund 100 Stromabnahmestellen und einem Verbrauch von rund 600.000 Kilowattstunden an. Das Unternehmen Naturstrom überzeugte schließlich mit seinem Angebot, und elf der 16 Gemeinden sowie der Kirchenkreis selbst mit dem „Haus der Kirche“ stiegen um. Aus ihren Steckdosen kommt seit kurzem ausschließlich Strom, der durch erneuerbare Energien produziert wird. Mehrkosten? „Im Schnitt pro Jahr und Gebäude 8 Euro mehr auf Grundlage der Energiepreise 2011“, sagt Grübener.

Mit der Umstellung auf Ökostrom steht der Kirchenkreis Wittgenstein nicht allein da. Auch andere Kreise und Gemeinden in Deutschland haben umgestellt. „Aber das bemerkenswerte am Kirchenkreis Wittgenstein ist die Stringenz mit der dort vorgegangen wird“, sagt Dipl. Ing. Christian Dahm von der EnergieAgentur.NRW, der nicht nur privat als Kirchenmusiker viele Kirchen kennt, sondern auch beruflich in Kontakt mit vielen Gemeinden steht. „Grundsätzlich raten wir: Sobald etwas im fünfstelligen Betrag gebaut oder saniert wird, sollte ein Fachmann dabei sein. Außerdem ist es für Kirchengemeinden sinnvoll, ein Konzept mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen zu erstellen“, sagt Dahm, der schon mehrfach im Kirchenkreis Wittgenstein zu Gast war und dort seine fachliche Einschätzung zu verschiedenen Projekten abgab.
Ungewöhnlich ist auch aus seiner Sicht der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Christuskirche in Schmallenberg im Kirchenkreis Wittgenstein. Normalerweise sind Photovoltaik-Anlagen auf Kirchen aufgrund denkmalpflegerischer, ästhetischer und statischer Schwierigkeiten eher schwierig zu realisieren. In diesem Fall bot es sich aber an, da es sich einerseits um eine moderne Kirche handelt und andererseits das Dach der Christuskirche an der Südseite sowieso saniert werden musste. Seit April 2010 produzieren dort nun 84 Solarmodule Strom. Die Idee, eine Photovoltaikanlage zu errichten, entstand im Vorfeld der Reparaturarbeiten und wurde vom zuständigen Pfarrer der Kirchengemeinde eingebracht. Die Errichtung der Photovoltaikanlage entschied nicht nur die Frage nach der geeigneten Dach-Sanierung, sondern bot auch die Perspektive, langfristig finanziell von der Anlage zu profitieren. Die prognostizierte Jahreseinspeisung von 16.000 kWh wird nicht nur erreicht, sondern sogar nennenswert übertroffen. So wurden in den bisherigen zwei Jahren Betriebsdauer durchschnittlich sogar über 18.000 kWh/a produziert und ins Netz eingespeist.
„Geht das bei uns auch?“ – mit dieser Frage wandten sich nach den ersten Erfolgsmeldungen aus Gleidorf auch einige andere Gemeinden an die EnergieAgentur.NRW. Vor Ort prüften deren Fachleute nicht nur, ob eine vergleichbare Anlage möglich und sinnvoll ist, sondern auch, ob die Kirchengemeinden nicht in anderen Bereichen besser und einfacher Energie und dadurch auch Kosten sparen könnten. „Wenn sich bei Energiekosten von 30.000 Euro pro Jahr durch kleine Maßnahmen auch nur zehn Prozent einsparen lassen, kann das gesparte Geld anders eingesetzt werden und so das Gemeindeleben deutlich aufwerten“, erläutert Dahm. Eine weitere Photovoltaikanlage wird es im Kirchenkreis Wittgenstein vorerst aufgrund Kürzung der Förderung für Photovoltaikanlagen nicht geben. Das Ziel, die Schöpfung zu bewahren und Energie zu sparen, wird jedoch weiter verfolgt.
Ökostrom-Nutzer: Elf von 16 Gemeinden des Kirchenkreises Wittgenstein
Stromverbrauch aller Gemeinden: Etwa 600.000 Kilowattstunden pro Jahr bei rund 100 Stromabnahmestellen
Ökostrom-Anbieter:Naturstrom
Mehrkosten: Im Durchschnitt 8 Euro pro Jahr und Gebäude (Preisgrundlage 2011)
CO2-Einsparung: über 330 t CO2/a
Art der Solaranlage: 84 Solarmodule ASOLAR 240W/60-156m, mono-kristallin
Leistung: 20,58 kWp
CO2-Einsparung: über 10 t CO2/a
Installation: Pletzinger Elektrotechnik GmbH & Co. KG, Eslohe/Sauerland
Weitere Informationen:
Silke Grübener
Kreiskirchenamt Siegen/Wittgenstein
Sachgebiet Bau und Liegenschaften
Tel. 02751/9241-34;
silke.gruebener@kka-wittgenstein.de
Christian Dahm
EnergieAgentur.NRW
Tel.: 0202/24 55 2 - 43
dahm@energieagentur.nrw.de
Text auswählen |
Seite drucken
Newsletter | YouTube | Twitter | RSS | Broschüren
© 2013 EnergieAgentur.NRW
Neuer Artikel: Interview mit Dr. Burghard Flieger, Experte für Energiegenossenschaften
Alle 14 Tage: Infos und Termine zu erneuerbaren Energien, Energiesparen, Klimaschutz. Und mehr.
Rechnen und finden: Bei vielen Fragen zum Thema Energie helfen unsere beliebten Online-Tools.
Unser Magazin geht viermal jährlich an 27.000 Abonnenten. Download und Bestellung hier:
Die EnergieAgentur.NRW organisiert im Auftrag des Innovationsministeriums das EnergieForschungscluster
Die EnergieAgentur.NRW organisiert im Auftrag des Klimaschutzministeriums das Energiecluster
Hier nehmen Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu aktuellen Fragen der Energiewende Stellung.
Nutzung der Social-Media-Dienste
Wir freuen uns, wenn die Nutzer unserer Website Inhalte auf Twitter, Facebook und Google+ empfehlen. Zu diesem Zweck werden von den Anbietern dieser Plattformen entsprechende Buttons zur Verfügung gestellt.
Durch die Einbindung dieser Buttons werden bereits beim Aufruf einer Seite Daten an Twitter, Facebook und Google+ übertragen, ohne dass Besucher der Seite dem ausdrücklich zugestimmt haben. Neben der Webadresse der besuchten Seite wird auch eine Kennung übertragen, die eine direkte Verknüpfung zwischen dem Besucher der Website und dessen Profil, zum Beispiel auf Facebook, ermöglicht. Ob darüber hinaus weitere Daten übermittelt werden, teilen die genannten Social-Media-Dienste nicht mit.
Um die ungewollte Weitergabe von Benutzerdaten an Twitter, Facebook und Google+ zu verhindern, sind daher die Social-Media-Dienste auf den Websites der EnergieAgentur.NRW standardmäßig deaktiviert. Es werden also keine Daten an Dritte übermittelt, ohne dass Sie dem zugestimmt haben. Erst wenn Sie die Social-Media-Dienste aktiviert und damit Ihre Zustimmung zur Kommunikation mit Facebook, Google+ und Twitter erklärt haben, werden die Buttons auf unserer Website aktiv und stellen die Verbindung mit den Diensten her.
Anschließend können Sie Artikel-Empfehlungen über Twitter, Facebook und Google+ verschicken.
Die Social-Media-Dienste lassen sich auf dieser Seite dauerhaft aktivieren und deaktivieren.