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News vom 17.03.2011

Stromfressern im Haushalt auf der Spur

Wuppertal (EnergieAgentur.NRW)

Kaffeepadmaschine © Matthias Krüttgen, Panthermedia

Auch Kaffeemaschinen haben oft
Leerlaufverluste. © Matthias
Krüttgen, Panthermedia

Die EnergieAgentur.NRW empfiehlt jedem, der in seinem Haushalt versteckte Stromverbraucher aufspüren möchte, die Anschaffung eines Strommessgerätes. Diese Messgeräte, die zwischen Netzstecker und Steckdose geschaltet werden, kosten nur wenige Euro und sind leicht zu bedienen. Und nicht selten enttarnen Verbrauchsmessungen im eigenen Haushalt ungeahnte Stromfresser.

„Man braucht in technischen Dingen nicht sonderlich versiert zu sein, um handelsübliche Strommessgeräte für den Privathaushalt zu bedienen. Berührungsängste sind hier wirklich unbegründet“, verspricht Tom Küster von der EnergieAgentur.NRW. „Diese Messgeräte sind bereits ab etwa 10 Euro in Baumärkten und im Elektrofachhandel erhältlich, und mit ihnen lassen sich sowohl die momentane Leistungsaufnahme eines Elektrogerätes als auch der in einem bestimmten Zeitraum verursachte Stromverbrauch ermitteln.“

Leistung und Verbrauch – Watt und Kilowattstunden

Der Unterschied zwischen Leistung und Verbrauch ist ein wichtiger Punkt zum Verständnis der Strommessgeräte. Dieser Punkt muss deshalb gemacht werden, weil die in Watt (W) oder Kilowatt (kW) angegebene Leistung häufig mit dem Verbrauch verwechselt wird, obwohl dessen Einheit die Kilowattstunde (kWh) ist. Ein Verbrauch in Kilowattstunden entsteht erst dann, wenn eine Leistung (in Watt oder Kilowatt) über eine bestimmte, in Stunden (h) angegebene Zeit abgerufen wird. Fachleute beschreiben diesen Sachverhalt auch so: Leistung ist Arbeit pro Zeit, daher ist Arbeit (die im physikalischen Sinn dasselbe ist wie der Verbrauch) Leistung mal Zeit.

Küster verdeutlicht dies an einem konkreten Beispiel: „Mein Staubsauger beispielsweise hat eine Leistung von 2.000 Watt, also 2 Kilowatt. Wenn ich nun zwei Stunden lang die Wohnung sauge, entsteht ein Stromverbrauch von 2 kW mal 2 h, also 4 kWh.“ Dieses Beispiel zeigt: Die Einheit „kWh“ entsteht durch Multiplikation der Einheiten „kW“ und „h“ – genau so, wie der Zahlenwert des Verbrauchs (hier: 4) durch Multiplikation der beiden Zahlenwerte von Leistung (2) und Zeit (2) entsteht.

„Weiße Ware“: Verbrauchsmessung

Bei Haushaltsgroßgeräten sollte man entweder – wie bei den diskontinuierlich laufenden Kühl- und Gefrierschränken – den Verbrauch über 24 Stunden messen und den ermittelten Wert mit 365 multiplizieren (für die Anzahl der Tage im Jahr) oder aber – bei Wäschetrocknern, Wasch- und Spülmaschinen – die Messung für die Dauer einer kompletten Nutzung laufen lassen und den ermittelten Verbrauchswert dann mit der Anzahl der Nutzungen pro Jahr multiplizieren. Dieses ebenso einfache wie systematische Vorgehen fördert zuverlässig den tatsächlichen Stromverbrauch der individuellen „Weißen Ware“ zutage.

Wie effizient die eigenen Haushaltsgroßgeräte die Energie nutzen, lässt sich am besten online durch einen Vergleich mit den energieeffizientesten Geräten derselben Produktgruppe feststellen: Die Gerätedatenbank des Niedrig-Energie-Instituts (NEI) unter www.spargeraete.de weist die sparsamsten vergleichbaren Haushaltsgroßgeräte aus, nachdem der Nutzer einige Eckdaten eingegeben hat (Geräteart, Größe etc.).

Leerlaufverluste: Leistungsmessung


Balkendiagramm © Alexandra Bodden, Agentur Celeste

Wo bleibt der Strom im
Privathaushalt?
© Alexandra Bodden, Agentur
Celeste
Detailansicht

Wenn man vom Single- bis zum Sechs-Personen-Haushalt alle Haushaltsgrößen berücksichtigt, entfallen im Schnitt aber nicht auf das Kühlen oder Gefrieren, das Waschen, Trocknen oder Spülen die größten Anteile am Stromverbrauch: Nach einer Erhebung der EnergieAgentur.NRW liegen im Privathaushalt nicht die einzelnen Bereiche der „Weißen Ware“ auf den ersten Plätzen der Verbrauchsparade, sondern vielmehr das private Arbeitszimmer und der TV-/Audiobereich – wenn man die elektrische Warmwasserbereitung einmal außen vor lässt.

Wer darum wissen möchte, wie groß die jährlichen Leerlaufverluste seines privaten PC-Arbeitsplatzes oder die Stand-by-Verluste seines Kaffee-Vollautomaten oder des DVD-Rekorders mit Festplatte sind, der braucht für seine Messung nicht einmal 24 Stunden, sondern nur wenige Augenblicke: Ist das Strommessgerät zwischen Netzstecker und Steckdose angebracht, muss die Anzeige des Messgerätes lediglich per Tastendruck in den Modus geschaltet werden, in dem sie die aufgenommene Leistung wiedergibt (in Watt). Multipliziert man diese Wattzahl mit der Anzahl der Stunden eines Jahres (8.760 h), erhält man den durch das Elektrogerät verursachten jährlichen Stromverbrauch in Wattstunden (Wh); teilt man diesen Zahlenwert durch 1.000, ergibt sich die geläufigere Einheit Kilowattstunden (kWh).

Ein Watt Dauerleistung kostet jährlich 1,93 €

Grundsätzlich gilt: Jedes einzelne Watt Dauerleistung verursacht pro Jahr einen Stromverbrauch von 8,76 kWh, und bei einem Strompreis von 22 Cent pro kWh betragen die Kosten für jedes Watt Dauerleistung derzeit knapp 1,93 Euro jährlich.* 1,93 Euro pro Jahr – das klingt nach Kosten, die sich verschmerzen lassen. Das Dumme aber ist: In einem kompletten Haushalt summieren sich die durch Stand-by und Scheinaus-Betrieb bedingten Leerlaufverluste je nach Ausstattung auf einige Dutzend Watt, unnötige Kosten von bis zu 100 Euro und mehr sind in einem Vier-Personen-Haushalt keine Seltenheit. Denn bei genauerem Hinsehen stehen in einem durchschnittlich ausgestatteten Privathaushalt etliche „Dauerläufer“: Stromverbraucher, die permanent am Netz sind und so zu den teuren Leerlaufverlusten beitragen.

Messungen bringen nicht selten echte Überraschungen

Eigene, wenn auch nicht repräsentative Messungen der EnergieAgentur.NRW haben in diesem Zusammenhang zu einigen sehr überraschenden Ergebnissen geführt. So hatte in einem privaten Büro ein nur drei Jahre alter PC inkl. Röhrenmonitor im Stand-by-Modus eine Leistungsaufnahme von gut 28 Watt, der dazugehörige Laserdrucker brachte es im Bereitschaftsbetrieb auf genau 10 Watt – das ergibt unter dem Strich immerhin 38 Watt für den PC-Arbeitsplatz im Stand-by. Alte Fernseher können im Stand-by-Betrieb bis zu 10 Watt aufnehmen, während die effizientesten Neugeräte im Bereitschaftsbetrieb mit weniger als 0,1 W auskommen.

Ein herkömmlicher, zufällig ausgewählter Digital-Radiowecker verblüffte mit einer Leistungsaufnahme von nicht weniger als 16 Watt, gleichzusetzen mit Kosten in Höhe von jährlich knapp 31 € – eine ziemlich stolze Summe für die Anzeige der Uhrzeit und die Weckfunktion; daher lohnt hier die Überlegung, sich stattdessen einen kleinen Analogwecker anzuschaffen, wenn man morgens nicht unbedingt mit Musik geweckt werden möchte. Verschiedene Radios, die oftmals in Küchen stehen, nahmen im ausgeschalteten Zustand immer noch bis zu 8 Watt auf; übrigens eine Leistung, die häufig kaum niedriger war als beim eingeschalteten Radio! Ein DSL-Modem inklusive Router bringt es ebenfalls leicht auf 7 bis 8 Watt Dauerleistung, wodurch jedes Jahr Kosten von fast 15,50 € verursacht werden. Dazu kommen oftmals noch Stereoanlage und DVB-T-Receiver (jeweils bis zu 10 W im Stand-by), das schnurlose Telefon mit Ladeschale und Anrufbeantworter, diverse Handy-Ladegeräte, elektrische Zahnbürsten und vieles andere mehr.

Selbst ist der Mann – und die Frau!

„Diese Aufzählung ließe sich beliebig erweitern, am aussagekräftigsten sind jedoch immer die Werte, die Mann oder Frau selber im eigenen Haushalt ermittelt hat“, erklärt Tom Küster. „Dann sieht man durch eigene Messungen Schwarz auf Weiß, welches Elektrogerät wie viel Strom verbraucht, wo sich unnötige Leerlaufverluste mit Hilfe von abschaltbaren Steckdosenleisten vermeiden lassen oder ob sich bei einem alten Haushaltsgroßgerät möglicherweise sogar eine Neuanschaffung lohnt.“


* Berechnung:
Jahresverbrauch = 1 W * 24 h/Tag * 365 Tage = 8.760 Wh = 8,76 kWh;
Jahreskosten = 8,76 kWh * 0,22 €/kWh = 1,93 €

 

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